Die WM 2026: Mehr Teams und offene Machtfragen

Die WM 2026

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Wenn im Sommer 2026 die Fußball-Weltmeisterschaft beginnt, wird vieles anders sein als bei früheren Endrunden. Die FIFA erweitert das Teilnehmerfeld deutlich, verteilt die Austragung erstmals auf drei Gastgeberländer und organisiert damit das größte Turnier der Verbandsgeschichte. Die Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko sollen gemeinsam ein Ereignis stemmen, das über die WM Ergebnisse hinausgeht und organisatorisch neue Maßstäbe setzen dürfte. 

Bereits die Zahlen verdeutlichen die Dimensionen. Statt wie bislang 32 werden künftig 48 Nationalmannschaften teilnehmen. Gleichzeitig wächst die Zahl der Begegnungen auf 104 Partien an. Austragungsorte sind 16 Städte in Nordamerika, darunter Toronto, Mexiko-Stadt, Dallas und New York. Durch das neue Format verändert sich auch der Ablauf der Endrunde grundlegend. Zwölf Gruppen mit jeweils vier Teams bilden die erste Turnierphase. Anschließend qualifizieren sich neben den Gruppensiegern und Zweitplatzierten zusätzlich die besten Gruppendritten für die K.-o.-Runde.

Die FIFA begründet diese Reform mit dem Anspruch, den Weltfußball breiter aufzustellen. Vor allem Verbände aus Afrika und Asien profitieren von zusätzlichen Startplätzen. Europa entsendet künftig 16 Mannschaften, Afrika neun direkte Teilnehmer und Asien acht. Befürworter sehen darin eine Chance für bislang unterrepräsentierte Fußballnationen. Kritische Stimmen verweisen dagegen auf die steigende Belastung für Spieler und die Gefahr eines sportlich unausgewogenen Turniers.

Tatsächlich dürfte die Länge des Wettbewerbs zu einem wichtigen Faktor werden. Wer den Titel gewinnen will, muss acht Spiele absolvieren. Damit steigt die Bedeutung breiter Kader und physischer Belastbarkeit weiter an. Gerade europäische Spitzenmannschaften stehen schon heute unter hoher Beanspruchung durch nationale und internationale Wettbewerbe.

Sportlich deutet vieles darauf hin, dass sich die klassische Ordnung im Weltfußball weiter verschiebt. Die Weltmeisterschaft 2022 in Katar hat gezeigt, dass Außenseiter inzwischen deutlich konkurrenzfähiger auftreten als noch vor einigen Jahren. Marokko erreichte überraschend das Halbfinale und schrieb damit Fußballgeschichte für den afrikanischen Kontinent. Kroatien etablierte sich erneut unter den besten Teams der Welt, obwohl das Land vergleichsweise klein ist.

Dennoch bleibt der Kreis der Favoriten prominent besetzt. Argentinien wird auch 2026 zu den wichtigsten Titelkandidaten zählen. Der Erfolg der vergangenen Jahre basierte nicht allein auf individueller Klasse, sondern vor allem auf einer klaren taktischen Struktur und mannschaftlicher Stabilität. Auch Frankreich besitzt weiterhin außergewöhnliche Qualität in nahezu allen Mannschaftsteilen. Die personelle Tiefe dürfte gerade bei einem langen Turnier von großem Vorteil sein. Brasilien gehört trotz wiederkehrender Rückschläge ebenfalls zum engeren Favoritenkreis. Die offensive Qualität bleibt unbestritten, allerdings fehlte der Seleção zuletzt mehrfach die defensive Stabilität in entscheidenden K.-o.-Spielen. England wiederum hat sich unter Gareth Southgate über mehrere Jahre hinweg kontinuierlich weiterentwickelt. Die Mannschaft wirkt inzwischen erfahrener und geschlossener als noch bei früheren Turnieren. Auch Spanien hat nach einer längeren Übergangsphase wieder zu einer klaren spielerischen Linie gefunden. Besonders im Mittelfeld verfügt das Team über enorme technische Qualität.

Für die deutsche Nationalmannschaft bleibt die Ausgangslage vor der WM 2026 kompliziert. Nach den enttäuschenden Turnieren der vergangenen Jahre hatte das Team lange Probleme, sportliche Konstanz zu entwickeln. Erst bei der Europameisterschaft im eigenen Land waren wieder Fortschritte erkennbar. Bundestrainer Julian Nagelsmann stabilisierte die Mannschaft sichtbar und gab ihr taktisch mehr Flexibilität. Ob Deutschland allerdings wieder zur absoluten Weltspitze zählt, ist weiterhin offen. Im offensiven Bereich besitzt die Mannschaft mit Jamal Musiala und Florian Wirtz zwei außergewöhnlich talentierte Spieler, die das Spiel bereits heute prägen. Aber besonders auf der Mittelstürmerposition fehlt bislang eine dauerhaft überzeugende Lösung. Hinzu kommen defensive Probleme gegen Gegner mit hohem Tempo im Umschaltspiel. Unklar bleibt zudem die langfristige Besetzung im Tor. Manuel Neuer hatte seine Karriere in der Nationalmannschaft ursprünglich beendet, zuletzt tauchten jedoch erneut Diskussionen über eine mögliche Rückkehr auf.

Das neue WM-Format könnte Deutschland dennoch entgegenkommen. Durch die größere Zahl an Teilnehmern sinkt das Risiko eines frühen Ausscheidens nach einzelnen schwächeren Spielen. Gleichzeitig wird die Belastung über die Dauer des Turniers deutlich steigen. Gerade deshalb dürfte nicht nur individuelle Qualität entscheidend sein, sondern vor allem die Fähigkeit, über mehrere Wochen konstant auf hohem Niveau zu spielen.

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